
Ein bemalter Buchdeckel in dunklem Rotbraun zeigt stachelig-behaarte weiße Tiefsee-Kreaturen in hohen Grashalmen. Im Innern erscheint dieselbe Kreatur wiederkehrend vor radikal wechselnden Flächenfarben, begleitet von Versen aus Joachim Ringelnatz' Gedicht 'Silvester bei den Kannibalen'.
Silvester bei den Kannibalen
Größe (HxBxT): 43 x 31 x 2 cm
Erstellungsdatum: 2010
Seiten: 26
Autor der Textvorlage: Joachim Ringelnatz
Auflage: Unikat (Einzelstück)
Der Einband – dunkles Rotbraun, mit gestalteter Autor- und Titelangabe 'JOACHIM RINGELNATZ SILVESTER BEI DEN KANNIBALEN' in cremefarbener Schablonenschrift – ist mit hohen, gelbgrünen Grashalmen sowie zwei kleinen, weißen, stachelig behaarten Tiefsee-Kreaturen überzogen. Beim Aufschlagen entfaltet sich das Buch als durchgezogene Bildfolge zu Ringelnatz' Gedicht: Jede Doppelseite kombiniert eine oder mehrere Verszeilen in großer, weißer Schablonenschrift mit einer Darstellung derselben Kreatur, die sich mal zu einer geschwungenen, wurmartigen Form windet, mal als spitzohriges, warzig-gepunktetes Wesen kauert. Der monochrome Bildgrund wechselt von Seite zu Seite radikal: Gelb, Orange, Rot, Ockerbraun, Rosa lösen einander ab, während die Kreatur konstant bleibt.
Einband: Dunkelroter, strukturierter Fond mit locker gemalten, hohen Grashalmen in Gelbgrün; zwei kleine, weiß-cremefarbene, mit feinen Stacheln gezeichnete Tiefsee-Kreaturen sind oben und unten platziert.
Buchinneres: Die Doppelseiten folgen einem klaren, wiederkehrenden Schema aus Textzeile in Schablonenschrift und gegenüberliegender Kreatur-Darstellung auf monochromem Flächengrund. Zwei Illustrationen weichen vom Hauptmotiv ab: eine Fliege sowie ein weiteres, warziges vierbeiniges Wesen.
Farben und Komposition: Konsequente Farbdramaturgie – jede Doppelseite erhält einen eigenen, kräftigen Flächenton (Gelb, Orange, Rot, Rosa), wodurch das gleichbleibende Kreatur-Motiv immer neu changiert.
Material: Bemalter Buchdeckel bzw. bemalte Buchseiten (Fundobjekt-Bearbeitung), deckende Farbe für die monochromen Flächen, feine Linienzeichnung, schablonierte Schrift.
Die im Buch verwendeten Verse entstammen dem Gedicht 'Silvester bei den Kannibalen' von Joachim Ringelnatz (1883–1934), enthalten u. a. im 'Kinder-Verwirr-Buch'.
Ringelnatz' Gedicht spielt an Land, am Lagerfeuer. Die Künstlerin holt ihre Bildwelt aber aus der Tiefsee, einem Ort, an den kein Licht kommt. Das verschiebt den Ton: Vielleicht geht es nicht mehr nur um Kannibalismus im wörtlichen Sinn, sondern um etwas Fremdes, Unzugängliches, das sich unter der Oberfläche abspielt – ähnlich wie im Gedicht das Grausame unter der harmlosen, kindlichen Reimform verborgen liegt. Das Tier bleibt über die Seiten hinweg dasselbe, nur die Farbe um es herum ändert sich, als würde dasselbe Wesen durch immer neues Licht schwimmen. (Interpretation, keine gesicherte Aussage zur Intention der Künstlerin.)