
Ein ringgebundenes, blaustichiges Fotoalbum trägt auf dem Deckel ein Raster verwischter Bildquadrate. Im Innern wechseln reale, alte Postkarten deutscher Städte mit zerrissenen Papierschnipseln, auf denen einzelne Wörter montiert sind – zusammengelesen ergeben sie Zeilen aus zwei Roy-Black-Liedern.
Jeder braucht ein kleinen Flugplatz
Größe (HxBxT): 25,5 x 20,3 x 1 cm
Erstellungsdatum: 2000
Seiten: 10
Autor der Textvorlage: Roy Black
Auflage: Unikat (Einzelstück)
Das Objekt ist als klassisches Ringbuch-Fotoalbum gebunden: metallene Nieten fixieren den blaustichigen, mit einem verwischten Raster aus fotografischen Bildfeldern bedruckten Deckel, auf dem die Titelzeile 'Jeder braucht 'nen kleinen Flugplatz' sowie die Angabe 'Roy Black & Susanne Nickel' als aufgeklebte Papierstreifen erscheinen. Im Innern folgt das Album der klassischen Struktur eines Souvenir-Fotoalbums mit rasterartig angeordneten Klarsichttaschen, gefüllt jedoch nicht mit privaten Fotografien, sondern mit zerschnittenen, alten Postkarten und kleinen, unregelmäßig gerissenen Papierschnipseln, die je ein einzelnes, maschinengeschriebenes Wort tragen. Liest man die Wortschnipsel spaltenweise, ergeben sich zusammenhängende Liedzeilen.
Einband: Blaustichiger, gerasterter Fotodruck, metallene Ringbindung mit sichtbaren Nieten, aufgeklebte Papierstreifen mit Titel- und Namensangabe in Schablonenschrift.
Buchinneres: Transparente, rasterartig unterteilte Fototaschen im Ringbuchformat. Statt Fotografien enthalten sie im regelmäßigen Wechsel zerschnittene Postkartenmotive und einzelne, auf Papierschnipsel montierte Wörter mit gerissenen Kanten.
Farben und Komposition: Der Deckel ist auf ein kühles, monochromes Blau reduziert. Im Innern kontrastieren die originalen, bunten Postkartenfarben mit dem gedeckten Creme- und Grauton der Wortschnipsel.
Material: Ringbuch-Album mit Kunststoff-Fototaschen, metallene Bindungsnieten, bedrucktes Fotopapier (Deckel), originale, historische Postkarten (zerschnitten), Schreibmaschinenpapier (Wortschnipsel).
Deckeltitel und ein Teil der montierten Wortfragmente lassen sich zwei Liedern von Roy Black zuordnen, beide 1991 auf derselben Single veröffentlicht (Text: Dieter Bohlen, Hans-Joachim Horn-Bernges). Ein Abschnitt bildet exakt eine Strophe aus 'Nie mehr verlier'n' ab. Ein zweiter Abschnitt ('Jeder träumt für sich allein...') konnte keinem bekannten Songtext eindeutig zugeordnet werden und bleibt in seiner Quelle ungeklärt.
Ein Fotoalbum ist normalerweise voll mit eigenen Erinnerungen. Hier aber liegen fremde Postkarten drin, Orte, die man nie besucht hat, dazu zerrissene Wortfetzen aus Roy-Black-Liedern. Vielleicht sagt das etwas darüber aus, wie wir reden, wenn wir traurig sind oder uns nach etwas sehnen – wir greifen oft zu geliehenen Worten: Schlagerzeilen, Postkartenfloskeln. Dass die Wortschnipsel ausgerechnet dort zerrissen sind, wo im Text vom Verlieren die Rede ist, wirkt fast zu passend, um Zufall zu sein. (Interpretation, keine gesicherte Aussage zur Intention der Künstlerin.)